Arabesque Begebenheiten

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Arabesque Begebenheiten

Beitrag von Arabesque am Mi Jun 01, 2016 11:43 am

Ein rauer Finger schiebt sich über die Schaltwippe unter der hölzernen Theke und mit einem leisen Ton erlischt das Licht im Schankraum des Bonkers. Rote Haare, die nun auf einmal dunkelbraun wirken im dimmen Licht, was aus der Küche in Richtung der Aurin strahlt. Spitze Zähne gähnen leise mit weit aufgerissenem Mund in die stickige Luft. Nachtluft? Hier? Fehlanzeige, es ist gut 20 Minuten her, dass die letzte Seele den Bonker verlassen hat, zumindest der letzte Gast... Aras Mundwinkel zuckt im Halbdunkel als sie das Schnarch-Quietschen der Fledermaus durch den dicken Vorhang hören kann, die schweren Lederstiefel knarzen leicht auf den Dielen, ein kurzer Halt an der Bar, eine Flasche Rum mit halb abgescheuertem Etikett wird gepackt und baumelnd zwischen den Fingern mit sich geführt. Das Licht wird heller, aber nicht so grell, wie es bei vollem Einsatz ist. Die alte Ekose dreht sich nicht einmal um, als Ara sich auf die Anrichte schiebt und den Kopf gegen die bröselige Wand ditschen lässt, gedämpft nur von ihrem zottigen, roten Pelz. Gealtert, krächzig und doch mit dem Schalk der Jugend versehen meldet sich Linda zu Wort, grade dabei ihre Messer zu ölen und abzutupfen, bevor diese sorgfältig in einer Schublade auf ein Tuch gebettet werden, eines nach dem Andern „Herzchen, du siehst aus, als hätte dich dein Tag in deinen kleinen Hintern gebissen.“ Linda schaut über ihre Brille hinweg die Aurin an, diese zerrt den Korken aus der Rumflasche und benetzt ihre Stimmbänder „S'noch immer s'Selbe, s'frisst an mir, s'soll der Scheiß? Voll für'n Arsch die ganze Situation... Thema Arsch... deiner is ma sowas von krass klappriger als Meiner, Alte...“ Linda keckert amüsiert bei den Worten und lässt sich auf einem wackligen Schemel nieder der einmal knarzt, gefährlich wankt und sie winkt langsam ab, bevor die knorrige, alte Stimme der Ekose sich erhebt „Weißt du Kindchen, jeder hat so Zeiten in seinem Leben. Liebe, Kindchen, Liebe ist fantastisch, mit einem Partner, Vielen, es ist nicht wichtig wen man liebt, das Geschlecht, Rasse, von welchem Planeten die Person ist...“ Linda zaubert ein Tütchen hervor und unterbricht während dem Anfeuern ihre Worte bevor die erste kohlige, noch nicht ganz so süßliche Wolke aufsteigt „...Herzchen, lass dir gesagt sein, das alles ist einfach nur scheiß egal, kommt drauf an, dass man liebt. Das alles was zählt.“ die Ekose keckert, zieht an ihrem Tütchen und lehnt sich entspannt gegen den alten Küchenblock, der wohl vor langer Zeit mal eine Werkbank war. Ara hockt auf dem notdürftig zusammengezimmerten Tresen und lässt gluckernd Rum in ihren Hals rinnen „Lieben eh? Ja schon... s'fühlt sich so verdammt gut an, wenn's schön is... und's schmerzt so beschissen wie ne Verbrennung, wenn's nich schön is....“ leckt sich den brennenden, braunen Rum von den Lippen „...isses Wert... irgendwie... trotzdem scheiße...“ Linda muss auf diese Worte hin wieder knarzig keckernd lachen und Ara verzieht die Lippen „Eh! Ma nich so selbstgefällig alte Schachtel! Sach mir lieber wen du liebst, dassde hier so große Reden schwingen kannst...“ Ara verengt die Augen, versucht ernst auszusehen, scheitert, zu viel Respekt vor der alten Kiffer Oma, die einfach schon alles in ihrem Leben durchgemacht zu haben scheint. Diese lässt sich auch von diesen Worten nicht aus der Ruhe bringen „Das hier...“ meint sie knapp und zieht am Tütchen, Ara verengt die Augen „Kiffen?!“ fragt sie etwas dröge und erzeugt mit der Rumflasche ein Plöp-Geräusch, Linda keckert „Du dummes kleines Ding, nein...“ Linda lässt ihren langen Arm durch den Raum wehen und an der Decke wabern ein paar Spinnweben umher „Die Küche, kochen, Leuten mit köstlichen Dingen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Das liebe ich, das ist meine Essenz. Damals, in der guten alten Zeit, da hatte ich mehr, Liebschaften, Musik, Konzerte, alles was das Leben auf Eko lebenswert machte für ein Mädel wie mich....“ Linda keckert erneut durch die Küche des Bonkers, an den Putzwänden die auch nur damals kurz einen Besen und etwas Gips gesehen haben, hallt die Stimme der Alten wieder. Ara nickt langsam, sie kann es verstehen, wer mit knapp 20 Jahren das erste Mal etwas gewürztes isst, der hat auf jeden Fall Verständnis dafür, wie wundervoll kochen sein kann. Ara dreht den Rum in ihrer Flasche einmal kreisend, beobachtet wie sich die leicht ölige Flüssigkeit an den Wänden absetzt und nur langsam hinabrinnt „S'Rotze...“ brummt Ara leise vor sich hin und Linda hebt eine Braue „Bitte?“ kräht sie doch etwas angegriffen, tja, was man liebt, da trifft es einen auch. Ara winkt mit der Flasche ab „Nich's Kochen, du weißt ich koch sau gern... Gewürze, Düfte, Kräuter, Öle... hast meine Küche oben ja gesehn... das hier...“ Ara hebt die Flasche, schwenkt durch den Raum und verschüttet ein paar Tropfen auf den abgeschabten Dielenboden „S'damals alles nur schnell schnell, ja, Herd is okay aber sonst... kannst am Lagerfeuer kochen und's kommt aufs Gleiche, wenn man bedenkt, wie viel Zeit hier bist, dass'de nach Feierabend auch noch gediegen in dem Dreckloch ein'n durchziehst... nee ey... s'Rotze...“ Linda blinzelt hinter ihren rosa Gläsern, schiebt sich die Brille mit dem Daumen etwas weiter auf die breite Nase, das Tütchen zwischen Zeige und Mittelfinger „Beim Navigator... naja, man nimmt es wie es kommt, nicht wahr?“ Linda winkt leicht ab gen der Aurin und zieht wieder an dem Tütchen, Ara hingegen lässt die Flasche die sie begleitet ein paar Minuten zwischen ihren Beinen ruhen, der Blick wandert umher, die alte Holzdecke durch die man das Lager in Teilen sehen kann, die aus allen möglichen Teilen zusammengeschusterte Küchenzeile, nicht einmal ein vernünftiges Waschbecken ist vorhanden, Ara schnauft einmal leise, dreht sich dann wieder zu Linda die entspannt ihr Tütchen beendet hat und Ara mit nur ganz sacht geröteten Augen ansieht, hinter der rosa Brille verschwindet dieser Anblick jedoch „Zerbrich dir nicht so viel den Kopf Rotschopf, das hat keinen Sinn, lass die Dinge auf dich zukommen und pack sie, wenn sie in Reichweite sind, alles andere ist nur der sinnlose Versuch etwas zu lösen, was die Zeit erst weich klopfen muss wie ein Schnitzel vorm Frittieren...“ Linda keckert und klopft Ara auf die Schulter „Bis morgen Kurze.“ der Feuerpelz hebt einen Mundwinkel und nickt „Bis morgen alte Schachtel, pass auf deinen tatterigen Arsch auf eh?“ keckernd verlässt die Ekose den Raum, kurz nach ihr geht auch der Stinkefinger der Ara noch einen kleinen Moment anlacht.

Der nächste Nachmittag vergeht und langsame, entspannte Schritte, denen ein süßliches Wölkchen folgt, bringen Linda langsam dem Bonker näher, entspannt die Abendschicht antreten und genug Gras für den nächsten Tag hat man dann auch wieder. Die Luke wird geöffnet und sehr langsam steigt die Ekose, mit einem Körbchen im Arm die Leiter hinab, um sich dann wie immer umzudrehen. Sie hält kurz an, betrachtet einiges an altem, morschen Holz, dann werden die Augen hinter den rosa Gläsern weit und das fast vergangene Kräuterröllchen fällt zu Boden „Mein Herd!“ kräht sie erschrocken, als sie endgültig den zertrümmerten Holzberg als ihre Küche wahrnimmt. Vind-flink stromert die Ekose in Richtung der schabenden Geräusche, die Augen geweitet, alle Entspannung scheint aus ihren Gliedern gewichen, das darf ja wohl nicht wahr sein! Die tattrigen Finger krallen sich Rechts und Links in die Türfüllung zur Küche und Linda betrachtet mit Furcht was man ihrem Reich angetan hat. Eine Braue der Ekose zieht sich dann nach oben, als sie den Feuerpelz sieht, Boots und Hose wie am Abend zuvor, ein schwarzes Tanktop, die rote Mähne hinter dem Rücken mit 3 Bändern einigermaßen gebändigt, Schweiß, angespannte Muskeln, während die Aurin mit dem Hobel über das Holz schwirrt. Linda bemerkt sie noch nicht, zu vertieft scheint der Feuerpelz in die Arbeit zu sein, Lindas Blick schweift nach Links, ein klaffendes Loch in der Wand zum Schankraum, schon komplett verputzt. Neue Theken stehen noch etwas lose in der Gegend herum, eine große Tischplatte, frisch eingelassen, die offenbar auf den großen Holzunterbau gehört, der das Kernelement des Raumes bildet. Endlich räuspert sich die Ekose und Ara blickt mit einem, durch Schweißperlen verzierten Gesicht auf „Eh, schon so früh, ich hatt gehofft noch ne Ecke weiter zu sein wenne kommst...“ der Hobel wird auf den Boden geworfen und Ara legt die Hände an die Seiten der schweren Holzplatte, um sie mit einem tief knurrigen Urschrei, dann auf den frisch ins Wasser gehobelten Block zu wuchten. Die Ekose sieht Ara noch immer verdattert an, hat aber inzwischen ihren Herd ausgemacht, der noch an Ort und Stelle steht, offenbar nur vorbereitet wurde neue Blenden und etwas Zuneigung zu bekommen. Linda blinzelt mehrfach hinter den rosa Gläsern, reibt sich die Hände etwas verlegen und sieht sich um, dann wieder zur verschwitzten roten Aurin „Du... du stinkst wie ein Dagunbau Herzchen...“ sind die ersten Worte die Linda findet und Ara lacht zahnreich, kehrt nebenher die kleinen Holzkringel die der Hobel hinterlassen hat zusammen und wirft diese in einen Korb „Geiler Zunder für'n Kamin.“ murmelt sie, dann geht sie noch ein paar Schritte gen Linda und legt ihr die Raue Hand auf die Schulter „Deine Messer sin in der Schublade nem'm Herd, Rest vom Krams im Schrank drunter... könn'n dann ma bissi Zeug zu holn, s'bissi mehr Platz eh?“ Ara zeigt die Zähne und zwinkert „Hier und da noch bisschen Sägemehl n'so und die Lampen inner Durchreiche sin noch nich angeschlossn, aber's kommt alles noch die Tage, ich spring ersma inn Teich eh?“ langsam setzt sich der Feuerpelz wieder in Bewegung, das Ziel ganz klar, die Sägemehl-Schweiß Mischung loswerden. Linda steht mit ihrem Körbchen noch immer wie vom Donner gerührt an der neuen großen Arbeitsplatte und dreht sich Ara nach „Danke!“ kräht sie ihr spontan und etwas verquer hinterher, Ara gackert und hebt lax die Hand „Liebe Alter, Liebe!“ meint sie rau und etwas erschöpft als sie langsam aus dem Sichtfeld verschwindet. Die alte Ekosedame dreht sich wieder zur Küche um, große Augen wandern durch die Küche bevor sie sich erst einmal wortlos, auf einem kleinen neuen mit einem gemütlichen Kissen versehenen Schemel niederlässt. Langsam gleiten die tattrigen Finger über das frisch eingelassene Holz der großen Arbeitsplatte. Darauf erst mal ein Beruhigungstütchen.

Arabesque

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